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Engpässe im Prozess erkennen: 7 Signale und Praxisbeispiel

Ein Engpass begrenzt die Leistung des ganzen Prozesses. Diese sieben Signale machen ihn sichtbar, bevor du an der falschen Stelle optimierst.

Team erkennt einen Engpass in einem visualisierten Geschäftsprozess anhand von Rückstau und Kennzahlen

Auf den Punkt

Ein Engpass ist der Prozessschritt, der den Durchsatz des gesamten Ablaufs begrenzt. Du erkennst ihn nicht an einem einzelnen schlechten Wert, sondern an einem wiederkehrenden Muster: Vor einer Stelle wächst der Rückstand, Wartezeiten steigen und nachfolgende Schritte bekommen zu wenig Arbeit. Visualisiere deshalb den vollständigen Prozess, vergleiche wenige passende Kennzahlen und prüfe die vermutete Ursache mit einem begrenzten Test.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Engpass begrenzt die Leistung des Gesamtsystems. Nicht jede langsame oder fehlerhafte Stelle ist automatisch der Engpass.
  • Die stärksten Hinweise sind wachsender Rückstand, lange Wartezeit, dauerhaft hohe Auslastung und ungleichmäßiger Durchsatz.
  • Vergleiche Bearbeitungszeit, Wartezeit, Bestand in Arbeit, Durchsatz und Nacharbeitsquote über mehrere Fälle.
  • Entlaste zuerst den vermuteten Engpass und miss, ob sich die Leistung des Gesamtprozesses verbessert.
  • Share2Flow macht Abläufe und selbst definierte Kennzahlen im FlowBoard sichtbar. Erkennen und entscheiden muss das Team.

Ein Team arbeitet konzentriert, trotzdem bleiben Aufträge liegen. Eine Freigabe kommt fast immer spät. Vor einer Fachabteilung sammeln sich Fälle, während nachgelagerte Rollen auf Arbeit warten. Solche Muster sprechen für einen Engpass, beweisen ihn aber noch nicht.

Wer an der falschen Stelle optimiert, macht einzelne Tätigkeiten schneller, ohne den Gesamtprozess zu verbessern. Dieser Leitfaden zeigt dir sieben überprüfbare Signale, passende Kennzahlen und einen 30-Minuten-Check. Ein Vorher-Nachher-Beispiel zeigt anschließend, wie du eine Engpasshypothese testest. So wird FIND YOUR BOTTLENECK. zu einem nachvollziehbaren Vorgehen statt zu einer bloßen Behauptung.

Was ist ein Engpass in einem Prozess?

Ein Engpass, auch Flaschenhals oder Bottleneck genannt, ist die Ressource, Rolle oder Prozessstufe, die den möglichen Durchsatz des Gesamtsystems begrenzt. REFA beschreibt ihn in der Theory of Constraints als limitierenden Faktor, der quantitativ, qualitativ, zeitlich oder finanziell wirken kann.

Ein einfaches Beispiel: Drei aufeinanderfolgende Schritte können pro Tag 40, 18 und 35 Vorgänge bearbeiten. Bleibt die Nachfrage stabil oberhalb von 18 Vorgängen, begrenzt der zweite Schritt den Gesamtdurchsatz. Vor ihm entsteht ein Rückstand. Die dritte Stufe hat zeitweise zu wenig Arbeit, obwohl der Gesamtprozess zu langsam ist.

Ein Engpass ist nicht dauerhaft an dieselbe Stelle gebunden. Wird er entlastet, kann eine andere Prozessstufe zum neuen limitierenden Faktor werden. Engpassmanagement ist deshalb ein wiederkehrender Lernprozess, keine einmalige Reparatur.

Was unterscheidet Engpass, Schwachstelle und Verschwendung?

BegriffBedeutungAuswirkung auf den Gesamtprozess
EngpassBegrenzt den maximalen Durchsatz des SystemsEine Verbesserung kann den Gesamtdurchsatz direkt erhöhen
SchwachstelleVerursacht Fehler, Aufwand oder RisikoMuss nicht die Gesamtleistung begrenzen
VerschwendungVerbraucht Ressourcen ohne ausreichenden KundennutzenKann an vielen Stellen auftreten, auch außerhalb des Engpasses
SymptomSichtbare Folge eines ProblemsZeigt nicht zwingend die tatsächliche Ursache

Eine hohe Fehlerquote ist beispielsweise eine Schwachstelle. Zum Engpass wird sie erst, wenn Korrekturen den Durchsatz des gesamten Ablaufs begrenzen. Ebenso ist eine stark ausgelastete Person nicht automatisch der Engpass. Vielleicht bearbeitet sie viele kurze Aufgaben, während an anderer Stelle wenige komplexe Fälle tageweise warten.

Welche sieben Signale zeigen einen möglichen Engpass?

1. Vor einem Prozessschritt wächst der Rückstand

Der deutlichste Hinweis ist eine Warteschlange, die über mehrere Tage oder Wochen größer wird. Neue Arbeit kommt schneller an, als sie verarbeitet wird. Miss deshalb den Bestand in Arbeit vor jedem wichtigen Schritt. Ein einmaliger Ausschlag nach einer Krankheitswelle ist noch kein struktureller Engpass. Ein steigender Trend trotz normaler Bedingungen ist wesentlich aussagekräftiger.

2. Die Wartezeit ist deutlich länger als die Bearbeitungszeit

In Büro- und Serviceprozessen wird ein Vorgang oft nur wenige Minuten aktiv bearbeitet und liegt dazwischen stunden- oder tagelang. Trenne deshalb Bearbeitungszeit von Wartezeit. REFA nennt Zeitaufnahmen und Bestände als wichtige Größen der Engpassanalyse.

Eine zehnminütige Freigabe mit zwei Tagen Liegezeit ist kein Problem der Klickgeschwindigkeit. Häufig fehlen Priorisierungsregeln, Vertretungen oder vollständige Eingangsdaten.

3. Eine Rolle arbeitet dauerhaft an der Kapazitätsgrenze

Überstunden, ausgelassene Pausen und ständig verschobene Aufgaben können auf einen Engpass hindeuten. Prüfe jedoch Nachfrage, verfügbare Kapazität und Fallkomplexität gemeinsam. Eine Auslastung von nahezu 100 Prozent klingt effizient, lässt aber kaum Puffer für Schwankungen, Rückfragen oder Störungen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weist auf Risiken hin, wenn Arbeitsmenge, verfügbare Zeit und Aufgabenkomplexität nicht zusammenpassen. Unterbrechungen kosten zusätzlich Zeit und mentale Ressourcen. Überlastung im Team ist deshalb Prozesssignal und Thema der Arbeitsgestaltung.

4. Nachgelagerte Schritte warten regelmäßig auf Arbeit

Ein Engpass erzeugt nicht nur einen Stau davor. Dahinter kann Leerlauf entstehen. Wenn eine nachfolgende Rolle morgens wenig zu tun hat und am Tagesende plötzlich viele dringende Vorgänge erhält, fließt die Arbeit ungleichmäßig. Betrachte deshalb nicht nur lokale Auslastung, sondern den Rhythmus der gesamten Prozesskette.

5. Prioritäten ändern sich ständig

Viele kurzfristige Eskalationen sind oft ein Zeichen dafür, dass Nachfrage und Kapazität nicht zusammenpassen. Teams springen zwischen Fällen, unterbrechen begonnene Arbeit und verlieren Zeit beim Wiedereinstieg. Eine Prioritätenliste allein löst das Problem nicht, wenn nahezu jeder Vorgang als dringend markiert wird.

Prüfe, welche Arbeit den Engpass erreicht, wer ihre Reihenfolge festlegt und ob Standardfälle von echten Ausnahmen getrennt werden können.

6. Fehler und Nacharbeit konzentrieren sich an einer Stelle

Unter Zeitdruck sinkt die Prozessstabilität. Gleichzeitig können Fehler aus vorgelagerten Schritten erst am Engpass sichtbar werden. Deshalb darfst du die Fehlerursache nicht automatisch dort vermuten, wo die Korrektur erfolgt.

Miss, wie viele Fälle beim ersten Durchlauf korrekt abgeschlossen werden und wohin Rückläufer gehen. Wenn ein Prüfschritt ständig unvollständige Unterlagen zurücksendet, liegt die Ursache möglicherweise am Prozesseingang. Der Prüfschritt wird trotzdem zum Engpass, solange die Rückläufer seine knappe Kapazität binden.

7. Kleine Störungen verändern die Lieferfähigkeit stark

Fällt eine einzelne Person aus und der komplette Ablauf steht, besitzt der Prozess eine kritische Abhängigkeit. Dasselbe gilt für ein einziges System, eine Maschine oder eine Freigaberolle ohne Vertretung. Solche Engpässe bleiben bei normaler Auslastung manchmal unsichtbar und zeigen sich erst bei Urlaub, Störung oder Nachfragespitzen.

Dokumentiere deshalb Vertretungen, alternative Wege und das Alter offener Vorgänge. Ein Prozess ist nicht robust, wenn er nur unter idealen Bedingungen funktioniert.

Wie vermeidest du Fehlalarme bei der Engpasssuche?

Keines der sieben Signale ist für sich allein ein Beweis. Prüfe immer eine plausible Alternativerklärung und beobachte die Wirkung auf den Gesamtprozess.

BeobachtungMögliche andere UrsacheSo prüfst du sie
Vor einer Stelle liegt viel ArbeitEinmalige Spitze oder stapelweise BearbeitungBestand und Durchsatz über mehrere normale Wochen vergleichen
Eine Rolle ist stark ausgelastetViele kurze Aufgaben, aber keine Begrenzung des GesamtdurchsatzesPrüfen, ob nachgelagerte Schritte tatsächlich auf Ergebnisse warten
Viele Fälle werden eskaliertUnklare Prioritätsregeln statt fehlender KapazitätFallarten trennen und Eskalationsgründe auswerten
Ein Prüfschritt hat viele RückläuferFehler entstehen bereits am ProzesseingangRückläufe bis zur ersten Fehlerursache zurückverfolgen

Welche Kennzahlen helfen bei der Engpassanalyse?

Ein einzelner KPI reicht selten aus. Kombiniere Mengen-, Zeit- und Qualitätsdaten. So unterscheidest du eine vorübergehende Störung von einer Prozessstufe, die den Gesamtdurchsatz wiederholt begrenzt.

KennzahlBerechnung oder BeobachtungTypischer Engpasshinweis
Bestand in ArbeitBegonnene, aber nicht abgeschlossene FälleDer Bestand wächst vor derselben Stufe kontinuierlich
DurchsatzAbgeschlossene Fälle pro ZeitraumEine Stufe schafft dauerhaft weniger als Nachfrage und Folgeschritte
DurchlaufzeitZeit vom Prozessstart bis zum ErgebnisDie Gesamtdauer steigt parallel zum Rückstand
WartezeitZeit ohne aktive BearbeitungVorgänge liegen besonders lange vor einer Rolle oder Entscheidung
BearbeitungszeitAktive Arbeitszeit am FallEine Tätigkeit benötigt mehr Kapazität als vergleichbare Schritte
First-Pass-YieldAnteil ohne Rückfrage oder NacharbeitRückläufer verbrauchen einen großen Teil der Engpasskapazität
Alter offener FälleZeit seit Eingang eines noch offenen VorgangsEinzelne Fälle bleiben weit länger liegen als der Median

Lege Definitionen fest, bevor du misst. Bei der Durchlaufzeit muss etwa klar sein, welches Ereignis den Start auslöst, wann ein Vorgang als abgeschlossen gilt und wie pausierte Fälle behandelt werden. Vergleiche außerdem gleichartige Fälle. Ein Standardauftrag und ein komplexes Sonderprojekt dürfen nicht ohne Segmentierung in denselben Mittelwert eingehen.

Wie erkennst du einen Engpass in 30 Minuten?

Der folgende Schnellcheck ersetzt keine belastbare Langzeitanalyse. Er hilft aber, eine prüfbare Hypothese für einen überschaubaren Prozess zu entwickeln.

  1. Prozess eingrenzen: Definiere Start, Ende und eine typische Fallart.
  2. Ablauf aufzeichnen: Visualisiere die tatsächlichen Schritte, Rollen, Entscheidungen und Rückläufe.
  3. Bestände markieren: Notiere, wo aktuell Fälle, Dokumente oder Aufgaben warten.
  4. Zeit schätzen: Ergänze je Schritt Bearbeitungs- und typische Wartezeit. Kennzeichne unsichere Werte ausdrücklich als Schätzung.
  5. Teamwissen abfragen: Frage: „Wo würde sich morgen zuerst Arbeit stauen, wenn doppelt so viele Fälle eintreffen?“
  6. Hypothese formulieren: Benenne genau eine vermutete Engpassstelle und das erwartete Signal.
  7. Messung vereinbaren: Erfasse zwei bis vier Wochen lang Bestand, Durchsatz und Wartezeit an dieser Stelle.

Für die Visualisierung kannst du ein einfaches Flowchart, ein Swimlane-Diagramm oder eine Wertstromanalyse nutzen. Unter Tools zur Prozessanalyse und Prozessoptimierung findest du außerdem Methoden wie SIPOC, Process Mapping, Makigami und die Kreidekreis-Methode. Der Beitrag über Lean-Methoden für die Prozessoptimierung hilft dir bei der Auswahl.

Wie prüfst du, ob du den echten Engpass gefunden hast?

Eine Vermutung wird erst durch ihre Wirkung belastbar. Verändere deshalb nicht mehrere Prozessstufen gleichzeitig. Entlaste die vermutete Engpassstelle mit einer begrenzten Maßnahme. Ein erfolgreicher Test verbessert mindestens eine Kennzahl des Gesamtprozesses, etwa Durchsatz oder Durchlaufzeit, ohne Fehler und Rückstände an anderer Stelle unkontrolliert zu erhöhen.

Mögliche Tests sind:

  • unvollständige Fälle vor dem Engpass aussortieren,
  • nicht notwendige Aufgaben von der knappen Ressource wegverlagern,
  • Standardfälle und Sonderfälle getrennt steuern,
  • eine Vertretung für klar definierte Entscheidungen einführen,
  • Unterbrechungen durch feste Bearbeitungsfenster reduzieren,
  • den gleichzeitig begonnenen Arbeitsbestand begrenzen.

Steigt nur die lokale Leistung, während Gesamtdurchsatz und Durchlaufzeit unverändert bleiben, lag der Engpass wahrscheinlich an einer anderen Stelle. Verschiebt sich der Rückstand in den nächsten Schritt und verbessert sich der Gesamtprozess, hast du den bisherigen Engpass vermutlich entlastet. Damit wird zugleich der nächste limitierende Faktor sichtbar.

Wie sieht ein Engpass im Vorher-Nachher-Beispiel aus?

Das folgende Beispiel ist ein vereinfachter Musterfall, kein veröffentlichter Share2Flow-Kundencase. Ein technisches Service-Team bearbeitet standardisierte Änderungsanfragen. Der Prozess besteht aus Eingang, Vollständigkeitsprüfung, fachlicher Bewertung, Freigabe und Rückmeldung.

Vorher: Viel Aktivität, aber wachsender Rückstand

Pro Woche treffen durchschnittlich 28 Anfragen ein. Die fachliche Bewertung schließt jedoch nur 20 bis 22 Fälle ab. Vor dieser Stufe warten regelmäßig mehr als 30 Vorgänge. Die mediane Gesamtdurchlaufzeit beträgt neun Arbeitstage. Rund 35 Prozent der Fälle gehen wegen fehlender Angaben zurück an den Eingang.

Im Team gilt zunächst die fachliche Bewertung als zu langsam. Die Prozessvisualisierung zeigt jedoch, dass erfahrene Fachkräfte einen erheblichen Teil ihrer Zeit mit Rückfragen und administrativer Sortierung verbringen. Zusätzlich unterbrechen dringende Sonderfälle die Bearbeitung von Standardanfragen.

Maßnahme: Engpasskapazität schützen

Das Team führt eine verbindliche Eingangsliste mit Pflichtangaben ein. Eine rotierende Rolle klärt unvollständige Fälle, bevor sie die fachliche Bewertung erreichen. Standard- und Sonderfälle erhalten getrennte Warteschlangen. Für laufende fachliche Bewertungen gilt ein begrenzter Arbeitsbestand.

Nachher: Mehr Durchsatz ohne zusätzliche Fachstelle

Nach sechs Wochen schließt die fachliche Bewertung im Musterbeispiel durchschnittlich 27 Fälle pro Woche ab. Der Rückstand sinkt auf zwölf offene Vorgänge. Die mediane Durchlaufzeit liegt bei sechs Arbeitstagen. Nur noch 15 Prozent der Fälle benötigen eine Rückfrage. Die Zahlen beweisen keinen allgemeingültigen Effekt, zeigen aber, wie ein Team eine Engpasshypothese prüfen kann.

Aus der Praxis

Der wirksame Hebel war nicht „schneller arbeiten“. Die knappe Fachkapazität wurde von Sortierung, Rückfragen und häufigen Prioritätswechseln entlastet. Erst die gemeinsame Prozesssicht machte sichtbar, welche Aufgaben zwingend an der Engpassstelle bleiben mussten und welche vorher geklärt werden konnten.

Was sagt ein belegtes Praxisprojekt über Engpassarbeit?

50 %

weniger Durchlaufzeit erreichte Dornbracht laut einem Referenzprojekt des Fraunhofer IPA durch eine Umstellung der Auftragssteuerung von Push auf Pull. Gleichzeitig sank der Bestand um 30 Prozent. Das Ergebnis lässt sich nicht pauschal übertragen, zeigt aber, dass Engpassarbeit mit Steuerungslogik, Beständen und Materialfluss zusammenhängt. Fraunhofer IPA, Referenzprojekt

Auch in Büro- und Verwaltungsabläufen bestimmen Informationen und Entscheidungen den Fluss. Das Fraunhofer IPA nennt dort unter anderem lange Warte- und Suchzeiten sowie unkoordinierte abteilungsübergreifende Abläufe. Betrachte deshalb nicht nur Kapazitäten, sondern auch Übergaben und fehlende Informationen.

Was solltest du nach dem Erkennen eines Engpasses tun?

Die Theory of Constraints folgt einem wiederkehrenden Vorgehen. Zuerst identifizierst du die Einschränkung. Dann nutzt du ihre vorhandene Kapazität möglichst sinnvoll, richtest den übrigen Prozess daran aus und erweiterst die Engpasskapazität nur, wenn organisatorische Maßnahmen nicht reichen. Anschließend beginnt die Suche erneut, weil sich der Engpass verschoben haben kann.

In der Praxis bedeutet das:

  1. Schütze die Engpassstelle vor unvollständiger oder unnötiger Arbeit.
  2. Vermeide Stillstand durch fehlende Informationen, Material oder Entscheidungen.
  3. Priorisiere Arbeit nach transparenten Regeln.
  4. Stimme vorgelagerte Mengen auf die tatsächliche Engpasskapazität ab.
  5. Erweitere Kapazität erst, wenn der vorhandene Spielraum genutzt ist.
  6. Prüfe den Gesamtprozess erneut.

Beziehe die Menschen ein, die den Ablauf täglich bearbeiten. Diese Personen kennen Umgehungslösungen, wiederkehrende Ausnahmen und versteckte Abhängigkeiten. Wie du diese Perspektive strukturiert nutzt, liest du im Beitrag über Mitarbeiter in der Prozessverbesserung.

Wie unterstützt Share2Flow beim Sichtbarmachen von Engpässen?

Share2Flow ist eine browserbasierte App zur Prozessoptimierung. Teams erfassen und visualisieren Abläufe in FlowBoards, definieren eigene Kennzahlen und dokumentieren Herausforderungen oder Eskalationen direkt am Prozess. Dadurch werden Rückstände, Wartezeiten, Übergaben und Abhängigkeiten gemeinsam besprechbar.

Share2Flow erkennt Engpässe nicht automatisch und trifft keine KI-basierte Entscheidung. Das FlowBoard macht den Prozess und die eingetragenen Messwerte sichtbar. Ob eine Stelle tatsächlich den Gesamtdurchsatz begrenzt, beurteilt das Team anhand der Daten und seiner Prozesserfahrung. Das schützt vor vorschnellen Maßnahmen an auffälligen, aber nicht limitierenden Stellen.

Visualisiere einen überschaubaren Prozess, ergänze Bestand, Wartezeit und Durchsatz und prüfe deine Engpasshypothese gemeinsam im Team.

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Wie dokumentierst du einen Engpass eindeutig und vergleichbar?

Halte Prozessgrenze, Fallart, Zeitraum und Kennzahlendefinition fest. Dokumentiere außerdem, welche Beobachtung zur Engpasshypothese geführt hat, welche Maßnahme getestet wurde und wie sich der Gesamtprozess verändert hat. So bleibt die Entscheidung für andere Teams nachvollziehbar.

Diese Klarheit verbessert auch die Auffindbarkeit in internen Suchsystemen und AI Search. Für Generative Engine Optimization, kurz GEO, zählen eindeutige Begriffe, nachvollziehbare Berechnungen und verlinkte Primärquellen. Trenne reale Messergebnisse klar von Schätzungen und vereinfachten Beispielen.

Welche Fehler verfälschen die Engpassanalyse?

  • Du setzt hohe Auslastung automatisch mit einem Engpass gleich.
  • Du betrachtest nur Durchschnittswerte und übersiehst stark gealterte Einzelfälle.
  • Du misst eine ungewöhnliche Spitzenwoche und erklärst sie zum Normalzustand.
  • Du optimierst mehrere Stellen gleichzeitig und kannst die Wirkung nicht zuordnen.
  • Du erhöhst vorgelagerte Leistung, obwohl sich vor dem Engpass bereits Arbeit staut.
  • Du automatisierst einen ungeklärten Ablauf und beschleunigst dadurch Rückfragen oder Fehler. Prüfe vorab, ob sich der Fall überhaupt für RPA Prozessautomatisierung eignet.
  • Du bewertest Personen statt der Bedingungen, unter denen der Prozess arbeitet.

Beginne mit einem wiederkehrenden Prozess, einer klaren Fallart und wenigen Kennzahlen. Visualisiere den tatsächlichen Ablauf und prüfe eine Engpasshypothese mit einer kleinen Maßnahme. Die Grundlagen der Prozessoptimierung helfen dir, das Vorgehen in einen vollständigen Verbesserungszyklus einzuordnen.

Belege & Vorgehen

  1. Theory of Constraints: Engpasstheorie — REFA, o. J. Zuletzt geprüft: Juli 2026.
  2. Makigami — REFA, o. J. Zuletzt geprüft: Juli 2026.
  3. Lean Indirekt — Fraunhofer IPA, o. J. Zuletzt geprüft: Juli 2026.
  4. Umstellung der Auftragssteuerung halbiert Durchlaufzeit bei Dornbracht — Fraunhofer IPA, o. J. Zuletzt geprüft: Juli 2026.
  5. Arbeitsorganisation — Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, o. J. Zuletzt geprüft: Juli 2026.

FAQ

Was ist ein Engpass in einem Prozess?
Ein Engpass ist die Ressource, Rolle oder Prozessstufe, die den möglichen Durchsatz des gesamten Ablaufs begrenzt. Vor ihr entstehen häufig Rückstände und Wartezeiten. Wird sie entlastet, kann sich der Engpass an eine andere Stelle verschieben.
Wie erkennt man Engpässe im Prozess?
Visualisiere den vollständigen Ablauf und vergleiche Bestand in Arbeit, Durchsatz, Wartezeit, Bearbeitungszeit und Nacharbeitsquote. Ein belastbarer Engpass zeigt ein wiederkehrendes Muster: Vor derselben Stelle wächst der Rückstand, während nachgelagerte Schritte auf Arbeit warten.
Welche Kennzahlen helfen bei einer Engpassanalyse?
Besonders hilfreich sind Bestand in Arbeit, Durchsatz pro Zeitraum, Durchlaufzeit, Wartezeit, Bearbeitungszeit, First-Pass-Yield und das Alter offener Fälle. Verwende mehrere Kennzahlen gemeinsam und definiere ihre Berechnung eindeutig.
Was ist der Unterschied zwischen einem Engpass und einer Schwachstelle?
Eine Schwachstelle verursacht Fehler, Aufwand oder Risiko. Ein Engpass begrenzt zusätzlich die Leistung des Gesamtsystems. Deshalb verbessert die Beseitigung einer Schwachstelle nicht automatisch den Gesamtdurchsatz, während eine wirksame Entlastung des Engpasses ihn erhöhen kann.
Was kann man gegen einen Engpass tun?
Schütze die knappe Ressource vor unvollständiger oder unnötiger Arbeit, reduziere Unterbrechungen, kläre Prioritäten und richte vorgelagerte Mengen an ihrer Kapazität aus. Zusätzliche Kapazität ist erst sinnvoll, wenn organisatorische Spielräume genutzt wurden.
Wie lassen sich Engpässe im Prozess vermeiden?
Vermeiden lassen sich nicht alle Engpässe, weil sich Nachfrage, Kapazitäten und Rahmenbedingungen verändern. Du kannst ihre Wirkung aber begrenzen: Sorge für vollständige Eingaben, klare Prioritäten, Vertretungen, kontrollierte Arbeitsbestände und regelmäßige Messungen. Nach jeder Verbesserung prüfst du, ob sich der Engpass verlagert hat.