Makigami

Kategorie
ProzessoptimierungKompetenzstufe
Makigami, japanisch für „Papierrolle", ist eine Lean-Methode, um administrative Abläufe sichtbar zu machen. Auf einer langen Papierbahn zeichnest du Schritt für Schritt nach, wie ein Vorgang, eine Information oder ein Dokument durch die beteiligten Abteilungen wandert. Anders als eine reine Ablaufskizze hält Makigami zusätzlich fest, welche Rolle handelt, welches System genutzt wird, wie lange ein Schritt dauert und wo Wartezeiten oder Medienbrüche entstehen.
Gerade in Büro- und Verwaltungsprozessen werden dadurch Verluste greifbar, die im Alltag kaum jemand meldet: Vorgänge, die tagelang liegen, obwohl die eigentliche Bearbeitung Minuten dauert, oder Angaben, die zwischen Papier, E-Mail und System mehrfach umkopiert werden. Als eine der Lean-Methoden der Prozessoptimierung schafft Makigami die Faktenbasis, um solche Abläufe gezielt zu verschlanken.
Rahmenbedingungen & Vorbereitung für Makigami
Voraussetzungen
- Ein abgegrenzter administrativer Prozess mit klarem Auslöser und Ergebnis
- Je eine Person aus jeder Abteilung, durch die der Vorgang läuft
- Eine lange Papierbahn oder ein großes digitales Board mit Haftnotizen
- Grundlegende Angaben zu Bearbeitungs- und Liegezeiten sowie genutzten Systemen
- Ein Moderator, der durch den Workshop führt und ihn neutral hält
- Ausreichend Zeit, meist ein halber bis ganzer Workshop-Tag
Vorbereitung
Grenze den Prozess klar ab und beschreibe seinen Auslöser und sein Ergebnis, damit alle über denselben Ablauf sprechen. Lade Personen aus jeder beteiligten Abteilung ein, denn die Verluste entstehen meist an den Übergaben zwischen ihnen. Sammle vorab, was an Zahlen verfügbar ist: typische Mengen, Bearbeitungszeiten, Wartezeiten und die Systeme, in denen gearbeitet wird. Bereite die Papierbahn mit einer Zeitachse und Bahnen für die Rollen vor und lege Haftnotizen in unterschiedlichen Farben bereit, etwa für Tätigkeiten, Dokumente, Systeme und Probleme. Für die reine Rollen- und Ablaufsicht kann vorab ein Swimlane-Diagramm Orientierung geben.
Wofür ist Makigami besonders geeignet?

Makigami eignet sich für administrative Prozesse, in denen ein Vorgang über viele Hände, Dokumente und Systeme läuft und dabei viel Zeit verliert. Weil das Team den Ablauf gemeinsam auf einer Bahn nachzeichnet, werden Wartezeiten, Medienbrüche, Rückfragen und doppelte Erfassungen sichtbar, die in einzelnen Abteilungen niemandem auffallen. Der direkte Vergleich von kurzer Bearbeitungszeit und langer Durchlaufzeit macht den eigentlichen Hebel greifbar, nämlich die Liege- und Übergabezeiten. Gleichzeitig entsteht ein gemeinsames Verständnis und die Bereitschaft, etwas zu ändern, weil alle dieselben Probleme vor Augen haben. Für die durchgängige Betrachtung von Zeit und Beständen ergänzt eine Analyse der Durchlauf- und Wartezeiten.
Ein Praxisbeispiel dazu findet sich im Anwendungsfall Purchase-to-Pay-Prozess.
Häufige Fragen zu Makigami
Was ist Makigami?
Wofür eignet sich Makigami?
Wie unterscheidet es sich von der Wertstromanalyse?
Was brauchst du für einen Makigami-Workshop?
Wie viele Personen sollten teilnehmen?
So führst du eine Makigami-Analyse durch
Prozess abgrenzen und Team zusammenstellen
Wähle einen konkreten Vorgang mit klarem Auslöser und Ergebnis, etwa die Bearbeitung einer Reklamation oder die Anlage eines Lieferanten. Lade aus jeder beteiligten Abteilung mindestens eine Person ein, die den Ablauf wirklich ausführt. Legt gemeinsam fest, wo der Prozess beginnt und endet, damit ihr nicht aneinander vorbei arbeitet. Ein zu breiter Zuschnitt macht die Bahn unübersichtlich, ein zu enger übersieht die entscheidenden Übergaben.
Ist-Ablauf chronologisch aufnehmen
Geht den Vorgang Schritt für Schritt in der realen Reihenfolge durch. Haltet für jeden Schritt fest, wer ihn ausführt, welche Tätigkeit erfolgt, welches Dokument oder welche Information entsteht und in welchem System gearbeitet wird. Tragt die Schritte in die Bahn der jeweiligen Rolle ein, sodass die Übergaben zwischen den Abteilungen sichtbar werden. Nehmt bewusst den tatsächlichen Ablauf auf, nicht den vorgeschriebenen. Eine strukturierte Vorlage für die Makigami-Methode erleichtert diese Aufnahme.
Zeiten und Medienbrüche ergänzen
Notiert zu jedem Schritt die Bearbeitungszeit und die Wartezeit davor. Markiert jeden Medienbruch, etwa wenn ein Dokument gedruckt, unterschrieben und wieder eingescannt wird oder Daten von einem System in ein anderes abgetippt werden. Genau diese Brüche und Liegezeiten sind die typischen Verlustquellen im Büro. Der Vergleich der Summe aller Bearbeitungszeiten mit der gesamten Durchlaufzeit zeigt oft ein großes Missverhältnis.
Verschwendung markieren
Kennzeichnet auf der Bahn die Stellen mit Verschwendung: lange Liegezeiten, Rückfragen, doppelte Erfassung, mehrfache Freigaben oder unklare Zuständigkeiten. Nutzt einheitliche Symbole oder Farben, damit die Muster auf einen Blick erkennbar werden. Fragt bei jedem markierten Punkt, welchen Wert er für den Kunden des Prozesses schafft. Was keinen Wert schafft, ist ein Kandidat für die Verbesserung.
Soll-Ablauf entwickeln
Entwerft gemeinsam einen realistischen Zielzustand. Reduziert Medienbrüche durch durchgängige digitale Bearbeitung, fasst Freigaben zusammen, standardisiert die Eingaben und lasst Schritte, wo möglich, parallel laufen. Priorisiert die Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand, statt alles auf einmal zu ändern. Der Soll-Ablauf ist kein Wunschbild, sondern die nächste umsetzbare Stufe.
Umsetzen und Wirkung prüfen
Legt für die wichtigsten Maßnahmen Verantwortliche, Termine und Zielwerte fest. Testet Änderungen zuerst in einem begrenzten Bereich, bevor ihr sie ausrollt. Messt nach der Umsetzung erneut Durchlaufzeit, Zahl der Medienbrüche und Rückfragen und vergleicht sie mit dem Ausgangszustand. Wiederholt den Blick auf den Prozess in Abständen, denn Abläufe verändern sich mit der Zeit.
Methode direkt anwenden
Bring die Methode ins FlowBoard: Prozess visualisieren, Kennzahlen definieren, Engpässe im Team sichtbar machen.
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