Durchlaufzeit- und Wartezeitanalyse

Kategorie
ProzessmessungKompetenzstufe
Die Durchlaufzeit misst die Zeit vom definierten Start bis zum definierten Ende eines Vorgangs. Darin stecken aktive Bearbeitung, Transport, Liegezeit und Warten auf Personen, Informationen oder Systeme. Die Analyse trennt diese Zeitarten, damit du nicht am falschen Teil des Prozesses optimierst.
Die Methode eignet sich bei langen Reaktionszeiten, Terminproblemen oder wachsenden Beständen und zählt zu den praktischen Lean-Methoden der Prozessoptimierung. Sie zeigt, wo Zeit verloren geht und wo sich Vorgänge stauen. Ein Engpass wird dadurch nicht automatisch bewiesen. Dafür müssen Zeitdaten mit Kapazität, Auslastung, Beständen und Prozesswissen verbunden werden.
Rahmenbedingungen & Vorbereitung für Durchlaufzeit- und Wartezeitanalyse
Voraussetzungen
- Ein klar definierter Prozessstart und ein eindeutiges Prozessende
- Eine vergleichbare Vorgangsart oder eine sinnvolle Segmentierung
- Zeitstempel aus Systemen oder eine strukturierte manuelle Erhebung
- Drei bis fünf Beteiligte mit Wissen über Ablauf und Ausnahmen
- Eine ausreichend große Stichprobe über einen typischen Zeitraum
Vorbereitung
Lege Zeiteinheit, Arbeitskalender und Regeln für Pausen, Wochenenden sowie abgebrochene Fälle fest. Wähle zunächst einen typischen Vorgangstyp. Sammle Start- und Endzeitpunkte der wesentlichen Schritte. Ein Process Mapping hilft, die Zeitstempel dem realen Ablauf zuzuordnen. Prüfe vor der Auswertung Zeitzonen, fehlende Werte und doppelte Ereignisse.
Wofür ist die Durchlauf- und Wartezeitanalyse besonders geeignet?

Die Analyse ist dann sinnvoll, wenn Vorgänge lange dauern, obwohl die eigentliche Bearbeitung kurz ist. Sie trennt aktive Bearbeitung von Liege- und Wartezeiten und zeigt so den wahren Zeitfresser. Häufig liegt das größte Potenzial nicht in schnellerer Arbeit, sondern in weniger Wartepunkten, was die Termintreue spürbar verbessert. Die Ergebnisse führen oft direkt weiter zum Engpassmanagement.
Weiterführende Quelle im Gabler Wirtschaftslexikon: Durchlaufzeit.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Durchlaufzeit und Bearbeitungszeit?
Sind Liegezeit und Wartezeit dasselbe?
Reicht der Durchschnitt für die Bewertung?
Zeigt die längste Wartezeit automatisch den Engpass?
Wie viele Fälle brauche ich?
Durchlaufzeit und Wartezeit systematisch untersuchen
Messgrenzen und Fälle definieren
Bestimme exakt, welches Ereignis die Uhr startet und welches sie stoppt. Lege fest, welche Fälle vergleichbar sind. Trenne zum Beispiel Standardaufträge, Eilfälle und Rückläufer, statt ihre Zeiten ungeprüft zu mischen.
Zeitpunkte je Vorgang erfassen
Erfasse Eingang, Beginn und Ende jedes wesentlichen Arbeitsschritts. Nutze Systemzeitstempel, Beobachtungen oder ein einfaches Zeitprotokoll. Dokumentiere auch Rückfragen, Rücksprünge und Warteschlangen, wenn sie den Vorgang verzögern.
Zeitarten berechnen
Berechne je Fall die gesamte Durchlaufzeit als Endzeit minus Startzeit. Die Bearbeitungszeit umfasst Phasen mit aktiver Arbeit am Vorgang. Warte- oder Liegezeit entsteht zwischen diesen Phasen. Halte deine Definitionen fest, weil Begriffe wie Zykluszeit in Organisationen unterschiedlich verwendet werden.
Verteilung statt nur Durchschnitt betrachten
Ermittle Median, Streuung und sinnvolle Perzentile zusätzlich zum Mittelwert. Zeige die Verteilung nach Vorgangstyp, Team oder Zeitraum. Einzelne extreme Fälle können den Durchschnitt stark verschieben und benötigen eine eigene Erklärung.
Warteschlangen und Engpasshinweise lokalisieren
Ordne Wartezeiten den Übergaben und Stationen zu. Suche nach dauerhaft wachsenden Beständen, langer Wartezeit vor einer Aktivität und hoher Auslastung. Ein Swimlane-Diagramm macht Verantwortungswechsel sichtbar. Bestätige einen vermuteten Engpass mit Kapazitäts- und Bestandsdaten; wie du Engpässe anschließend gezielt steuerst, zeigt das Engpassmanagement (Theory of Constraints).
Ursachen prüfen und Maßnahmen testen
Untersuche Priorisierungsregeln, Losgrößen, fehlende Informationen, Freigaben und ungleichmäßigen Eingang. Teste zunächst eine begrenzte Änderung, etwa kleinere Stapel oder eine klare Eingangskontrolle. Vergleiche nicht nur die Durchlaufzeit, sondern auch Qualität und Belastung.
Messung verstetigen
Lege wenige Zeitkennzahlen, eine verantwortliche Rolle und einen Prüfzyklus fest und ordne sie in einen KPI-Kennzahlenbaum ein. Am digitalen Shopfloor-Board werden solche Zeitkennzahlen täglich gesteuert. Segmentiere weiterhin nach relevanten Fallarten. Bei umfangreichen Ereignisdaten kann Process Mining Varianten und Wartezeiten über viele Fälle sichtbar machen.
Methode direkt anwenden
Bring die Methode ins FlowBoard: Prozess visualisieren, Kennzahlen definieren, Engpässe im Team sichtbar machen.
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