Design Thinking

Kategorie
ProzessinnovationKompetenzstufe
Design Thinking hilft dir, einen Prozess nicht vom bestehenden Ablauf, sondern vom tatsächlichen Problem der Anwender aus neu zu denken. Die Methode verbindet Beobachtungen, unterschiedliche Perspektiven und frühe Tests. So entstehen Lösungen, die nicht nur intern logisch wirken, sondern im Alltag verständlich und hilfreich sind.
Nutze Design Thinking bei unklaren Anforderungen, wiederkehrenden Beschwerden oder einem Prozess, der grundlegend neu gestaltet werden soll. Das Ergebnis ist kein fertiges Lastenheft. Du erhältst ein geprüftes Prozesskonzept, nachvollziehbare Annahmen und konkrete Erkenntnisse für die nächste Iteration. Als nutzerzentrierter Ansatz ergänzt Design Thinking die Grundlagen der Prozessoptimierung und stärkt die Verbesserung mit den Mitarbeitenden.
Rahmenbedingungen & Vorbereitung für Design Thinking
Voraussetzungen
- Eine konkrete Zielgruppe und ein klar abgegrenzter Prozess oder Prozessabschnitt
- Vier bis sieben Teilnehmende aus verschiedenen Rollen
- Mindestens zwei echte Anwender oder belastbare Beobachtungen aus ihrem Alltag
- Eine moderierende Person, die Diskussion und Entscheidungen trennt
- Für einen kompakten Durchlauf etwa drei bis vier Stunden, für Interviews und Tests zusätzliche Zeit
Vorbereitung
Formuliere die Ausgangsfrage offen aus Anwendersicht, zum Beispiel: „Wie können wir neuen Mitarbeitenden ermöglichen, am ersten Arbeitstag selbstständig loszulegen?“ Lade Vertreter der betroffenen Rollen ein und sammle vorhandene Beschwerden, Rückfragen oder Nutzungsdaten. Lege auf einem Board Bereiche für Beobachtungen, Problemfokus, Ideen, Prototyp und Testerkenntnisse an. Eine vorhandene Prozessdarstellung darf als Kontext dienen, sollte die Lösung aber nicht vorgeben.
Wofür ist Design Thinking besonders geeignet?

Design Thinking eignet sich für unklare Probleme, bei denen die Bedürfnisse der Nutzer im Mittelpunkt stehen. Es beginnt bei echten Bedürfnissen statt bei fertigen Lösungen und öffnet den Raum für Ansätze abseits gewohnter Muster. Prototypen liefern früh Rückmeldung, bevor viel investiert wird. Unterschiedliche Perspektiven fließen dabei strukturiert zusammen.
Weiterführende Quelle bei Hymer: Design-Thinking-Methoden.
Ein Praxisbeispiel dazu findet sich im Anwendungsfall digitales Onboarding.
Häufige Fragen
Muss Design Thinking immer mehrere Tage dauern?
Wer sollte am Workshop teilnehmen?
Was ist der Unterschied zu klassischer Prozessoptimierung?
Wann ist die Methode ungeeignet?
Wie detailliert muss der Prototyp sein?
Design Thinking in sechs Schritten anwenden
Herausforderung aus Anwendersicht rahmen
Bestimme Zielgruppe, Situation und gewünschten Nutzen. Formuliere eine offene „Wie können wir …?“-Frage. Vermeide Fragen, die bereits eine bestimmte Software oder Maßnahme voraussetzen. Halte außerdem fest, was ausdrücklich nicht zum betrachteten Prozess gehört.
Anwender verstehen
Beobachte den Ablauf oder führe kurze Interviews mit konkreten Rückfragen: Was wollte die Person erreichen? Wo musste sie warten? Welche Informationen fehlten? Was hat sie umgangen? Dokumentiere Aussagen und sichtbares Verhalten getrennt von deinen Interpretationen. Ein Customer Journey Mapping hilft, die Erlebnisse entlang des Ablaufs festzuhalten.
Kernproblem zuspitzen
Bündele ähnliche Beobachtungen und beschreibe den wichtigsten Bedarf in einem Satz: „Diese Person braucht …, weil …“. Wähle einen Fokus, der für die Zielgruppe relevant und durch den Prozess beeinflussbar ist. Prüfe den Problemfokus anhand der gesammelten Belege.
Viele Lösungswege entwickeln
Erzeuge zunächst einzeln und ohne Bewertung möglichst unterschiedliche Ideen. Kombiniert anschließend passende Ansätze und wählt zwei oder drei Konzepte nach Anwendernutzen, Umsetzbarkeit und Lernpotenzial aus. Eine SWOT-Analyse kann später bei der Einordnung helfen, sollte die Ideenphase aber nicht verengen.
Prozess als Prototyp bauen
Stelle den neuen Ablauf mit Karten, Papiermasken oder einem einfachen Rollenspiel dar. Zeige Auslöser, Entscheidungen, Übergaben und das Ergebnis. Für Abläufe mit sichtbaren und internen Schritten eignet sich ein Service Blueprint. Der Prototyp muss nur konkret genug sein, damit Anwender ihn durchspielen und auf Missverständnisse reagieren können.
Testen und gezielt überarbeiten
Lass Anwender eine realistische Aufgabe mit dem Prototyp lösen. Erkläre nicht vorab, wie der Ablauf gemeint ist. Notiere Beobachtungen, Fragen und Abbrüche. Entscheide danach, was bestätigt, geändert oder in einer weiteren Runde geprüft wird. Erst nach mehreren belastbaren Lernschleifen lohnt sich die detaillierte Umsetzung.
Methode direkt anwenden
Bring die Methode ins FlowBoard: Prozess visualisieren, Kennzahlen definieren, Engpässe im Team sichtbar machen.
FlowBoard testen ↗