Predictive Process Monitoring

Kategorie
Prozesse mit KIKompetenzstufe
Predictive Process Monitoring nutzt Daten abgeschlossener Prozessfälle, um für laufende Fälle eine mögliche Zukunft einzuschätzen. Typische Ziele sind verbleibende Durchlaufzeit, nächster Schritt, Endergebnis oder Risiko einer Fristverletzung. Die Prognose ergänzt das aktuelle Prozessbild um einen zeitlichen Vorsprung und ist ein fortgeschrittener Baustein der Digitalisierung von Geschäftsprozessen.
Die Methode eignet sich nur, wenn auf ein Signal eine sinnvolle Handlung folgen kann. Ein Modell liefert Wahrscheinlichkeiten oder Schätzwerte, keine Gewissheit und keine Ursache. Das Ergebnis ist deshalb nicht nur ein Modell, sondern ein kontrollierter Entscheidungsprozess mit Gütemaßen, Schwellenwerten, Interventionen, Kapazitätsgrenzen und laufender Überwachung.
Rahmenbedingungen & Vorbereitung für Predictive Process Monitoring
Voraussetzungen
- Historische Ereignisdaten mit Fall-ID, Aktivität, Zeitstempel und abgeschlossenem Ergebnis
- Eine präzise Vorhersagefrage für einen definierten Zeitpunkt im laufenden Fall
- Genügend vergleichbare Fälle und dokumentierte Änderungen im Prozess
- Fachwissen zu Prozess, Daten, Statistik oder Machine Learning und betrieblicher Entscheidung
- Eine erlaubte, wirksame Intervention bei erhöhtem Risiko
- Regeln für Datenschutz, Fairness, Zugriff, Protokollierung und Modellüberwachung
Vorbereitung
Grenze den Prozess ab und prüfe das Ereignisprotokoll mit Process Mining; auf Arbeitsplatzebene ergänzt Task Mining das Bild. Klassische Wege, Engpässe im Prozess zu erkennen, bleiben die Grundlage. Definiere Zielvariable, Prognosehorizont und Entscheidung, die durch das Signal unterstützt werden soll. Teile Daten zeitlich in Training, Validierung und Test, damit die Prüfung einen späteren Einsatz realistisch nachbildet. Lege eine einfache Baseline fest, etwa Medianrestlaufzeit je Prozessphase.
Wofür ist Predictive Process Monitoring besonders geeignet?

Predictive Process Monitoring ist dann sinnvoll, wenn auf ein Frühwarnsignal eine echte Handlung folgen kann. Es schätzt Restlaufzeit oder Risiko laufender Fälle, bevor der Termin verstreicht und lässt kritische Fälle priorisieren, solange eine Reaktion noch wirkt. Grundlage sind abgeschlossene Fälle, aus denen es Muster für neue Fälle ableitet. Es liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheit und braucht darum klare Interventionsregeln.
Weiterführende Quelle bei Wikipedia: Process Mining.
Ein Praxisbeispiel dazu findet sich im Anwendungsfall Produktionssteuerung.
Häufige Fragen
Was kann Predictive Process Monitoring vorhersagen?
Wie viele historische Fälle werden benötigt?
Reicht eine hohe Trefferquote?
Muss das Modell erklärbar sein?
Was ist Model Drift?
Prognosen für laufende Prozessfälle entwickeln
Vorhersage und Entscheidung gemeinsam definieren
Bestimme, was wann für welchen Fall prognostiziert wird. Formuliere zusätzlich, wer auf das Ergebnis reagieren darf und welche Handlung möglich ist. Ein Risikoscore ohne Entscheidung und verfügbare Kapazität erzeugt nur eine weitere Anzeige.
Daten auf Eignung und Leakage prüfen
Prüfe Vollständigkeit, Zeitreihenfolge, Fallvarianten und Prozessänderungen. Verwende nur Merkmale, die zum Prognosezeitpunkt tatsächlich bekannt sind. Spätere Informationen oder nachträglich korrigierte Felder würden die Modellgüte künstlich erhöhen.
Ziel, Präfixe und Merkmale bilden
Erzeuge aus abgeschlossenen Fällen Trainingsbeispiele für unterschiedliche Zwischenstände. Nutze Verlauf, aktuelle Aktivität, Zeit seit dem letzten Ereignis, Fallmerkmale und verfügbare Auslastungsdaten. Dokumentiere, wie fehlende Werte und seltene Varianten behandelt werden.
Baseline und Kandidatenmodelle trainieren
Vergleiche ein einfaches, erklärbares Ausgangsmodell mit komplexeren Verfahren. Wähle nicht allein nach höchster Kennzahl. Rechenzeit, Stabilität, Erklärbarkeit und Wartungsaufwand gehören zur Bewertung.
Zeitlich getrennt validieren
Bewerte Restzeitmodelle mit geeigneten Fehlermaßen und Klassifikationen mit Precision, Recall, Kalibrierung und einer Kostenbetrachtung. Prüfe Ergebnisse nach relevanten Fallgruppen. Ein Modell kann im Mittel gut sein und bei seltenen, wichtigen Fällen versagen.
Schwellenwert und Intervention festlegen
Leite den Schwellenwert aus Fehlalarmkosten, übersehenen Risiken und verfügbarer Bearbeitungskapazität ab. Definiere eine konkrete Intervention, zum Beispiel fehlende Unterlagen früh anfordern. Ein Kennzahlenbaum verbindet Signal, Handlung und gewünschte Prozesswirkung.
Im Schattenbetrieb testen und überwachen
Lass das Modell zunächst prognostizieren, ohne operative Entscheidungen zu verändern. Vergleiche Signale mit späteren Ergebnissen und prüfe den tatsächlichen Nutzen der vorgesehenen Intervention. Überwache Datenqualität, Kalibrierung, Fehlalarme und Drift. Bei instabilen Zeitreihen kann eine SPC-Regelkarte die laufende Beobachtung ergänzen.
Methode direkt anwenden
Bring die Methode ins FlowBoard: Prozess visualisieren, Kennzahlen definieren, Engpässe im Team sichtbar machen.
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